TMR360: Ein umfassendes Konzept für eine sichere TMR-Fütterung der Kühe

Die Totale Mischration (TMR) ist ein zentraler Bestandteil der modernen Wiederkäuerfütterung, da sie mit jeder Futteraufnahme eine ausgewogene Nährstoffversorgung sicherstellt. Gleichzeitig macht ihre Komplexität sie jedoch auch anfällig für Risiken. Durch die Vielzahl an Komponenten sowie die ständigen Einflüsse während Lagerung und Fütterung kann die TMR zur Quelle von Mykotoxinen, schädlichen Bakterien sowie Hefen und Schimmelpilzen werden.

Die Futtermittelsicherheit stellt ein bedeutendes, oft unterschätztes Risiko in der Milchproduktion dar. Kontaminanten wie Mykotoxine und Mikroorganismen können miteinander interagieren und ihre negativen Auswirkungen auf Tiergesundheit, Leistung und Wirtschaftlichkeit verstärken. Das TMR360-Konzept begegnet dieser Herausforderung mit einer integrierten Analyse von Mykotoxinen und mikrobieller Belastung – einschließlich Hefen, Schimmelpilzen, Enterobakterien und Krankheitserregern. So trägt es dazu bei, die Futterqualität, die Leistung der Herde und den wirtschaftlichen Erfolg des Betriebs nachhaltig zu sichern.

Trouw Nutrition TMR360 Konzept

Das TMR360 Konzept ist eine umfassende Futterrisikobewertung von Trouw Nutrition, die entwickelt wurde, um hygienische Herausforderungen zu bewerten und zu managen, die die Sicherheit und Qualität von einer TMR beeinträchtigen können.

Es bietet eine integrierte Analyse von Mykotoxinen und mikrobiellen Verunreinigungen, einschließlich Hefen, Schimmelpilzen, Enterobacteriaceae und pathogenen Mikroorganismen. Diese Kontaminanten können die Futterstabilität, die Tiergesundheit und die Leistungsfähigkeit negativ beeinflussen – und damit letztlich den Erlös nach Futterkosten (IOFC) sowie die Wirtschaftlichkeit des Betriebs reduzieren.

Durch die Kombination modernster Labordiagnostik mit einer fachkundigen technischen Auswertung ermöglicht TMR360 Landwirten, Futtermittelherstellern und Fütterungsberatern:

  • Versteckte Risiken für die Futtersicherheit durch verschiedene Kontaminanten zu identifizieren.

  • Die kombinierten Auswirkungen auf Tiergesundheit und Produktivität besser zu verstehen.

  • Auf Basis der Ergebnisse gezielte Maßnahmen zur Risikominderung abzuleiten, um die Futterqualität, die Darmgesundheit, die Widerstandskraft der Tiere und die Produktionseffizienz zu unterstützen.

Wie funktioniert TMR360?

TMR360 bietet einen umfassenden Überblick über Futtersicherheitsrisiken durch:

  • Screening auf eine Vielzahl von Mykotoxinen und spezifischen Mikroorganismen, um ein umfassendes Kontaminationsprofil zu erstellen
  • Berechnung eines kombinierten Leistungsrisikos, das die Gesamtbelastung durch verschiedene Kontaminanten berücksichtigt
  • Umwandlung komplexer Analysedaten in klare, praxisnahe Empfehlungen zur Unterstützung fundierter Entscheidungen
  •  
    Probenahme
    Futterproben werden direkt auf dem Betrieb oder im Futtermittelwerk entnommen.
  • Umfassende Analyse
    Die Proben werden mithilfe zuverlässiger Labormethoden auf ein breites Spektrum von Mykotoxinen und Mikroorganismen untersucht.

  • Expertenbewertung
    Die Analyseergebnisse werden ausgewertet, um Kontaminationsgrade und potenzielle Risiken zu bewerten.

  •  
    Transparente Berichterstattung
    Die Erkenntnisse werden über eine Online-Plattform in einem leicht verständlichen Bericht bereitgestellt.
  •  
    Praxisnahe Handlungsempfehlungen
    Unsere Experten von Trouw Nutrition unterstützen bei der Interpretation der Ergebnisse und helfen dabei, die richtigen Maßnahmen abzuleiten.

Wichtige Kontaminanten in der TMR

Mykotoxine: Die unsichtbare Gefahr

Mykotoxine sind giftige Stoffwechselprodukte von Pilzen, die häufig in Silagen, Getreide und Nebenprodukten vorkommen, die in Totalmischrationen (TMR) eingesetzt werden.

  • Unsichtbar und chemisch stabil – sie bleiben oft auch dann noch vorhanden, wenn sichtbarer Schimmel längst verschwunden ist.
  • Ohne Laboranalysen bleiben sie häufig unentdeckt.
  • Sie verursachen meist chronische, subklinische Gesundheits- und Leistungsprobleme statt akuter Erkrankungen.

Zu den wichtigsten Mykotoxinen und ihren Auswirkungen zählen:

  • Aflatoxine → Leberschädigung, Immunsuppression, Milchkontamination
  • Deoxynivalenol (DON) → Lahmheit, Immunsuppression
  • Zearalenon (ZEN) → unregelmäßige Brunst, verringerte Konzeptionsraten, Eierstockzysten, Aborte
  • DON- und T-2-Toxin → verringerte Milchleistung, Mastitis, Gastroenteritis, hämorrhagisches Darm-Syndrom, beeinträchtigte Pansenfunktion und Nährstoffaufnahme, Durchfall, Ketose
  • DON, T-2-Toxin und Fumonisin (FUM) → Fressunlust, reduzierte Futteraufnahme und schlechtere Futterverwertung

Mehrfachbelastungen sind die Regel - nicht die Ausnahme. Mehrere Mykotoxine treten häufig gleichzeitig auf. Selbst in niedrigen Konzentrationen können sie synergistisch miteinander wirken und dadurch ihre negativen Auswirkungen auf Tiergesundheit und Leistungsfähigkeit deutlich verstärken.

Mikrobielle Kontamination: Mehr als nur Schimmelpilze

Neben Mykotoxinen kann auch eine mikrobielle Kontamination die Futterqualität sowie die Tiergesundheit und Leistungsfähigkeit erheblich beeinträchtigen.

Zu den wichtigsten mikrobiellen Risiken zählen:

  • Hefen → lösen aerobe Verderbnisprozesse aus, die zu Erwärmung des Futters, Nährstoffverlusten und einer geringeren Energiedichte führen.
  • Schimmelpilze → vermehren sich nach der Aktivität von Hefen und bei Sauerstoffeintrag. Sie bauen Nährstoffe ab und können zusätzliche Mykotoxine bilden.
  • Enterobakterien und Clostridien → gelten als Anzeichen für mangelhafte Hygiene und unzureichende Fermentation. Sie werden häufig mit Nährstoffverlusten, verminderter Futterqualität und einer geringeren Tierleistung in Verbindung gebracht.
  • Pathogene Bakterien (z. B. ClostridiumListeriaSalmonellen) → stellen ein direktes Gesundheitsrisiko für Tiere dar und können Erkrankungen, Leistungseinbußen sowie Probleme hinsichtlich der Lebensmittelsicherheit verursachen.

Ganzheitliches Risikomanagement ist entscheidend. Mikrobielle Kontaminationen und Mykotoxine können gemeinsam die Futterhygiene, den Nährwert des Futters, die Tiergesundheit und letztlich die Wirtschaftlichkeit eines Betriebs beeinträchtigen. Daher ist eine umfassende Überwachung unerlässlich, um Futterrisiken frühzeitig zu erkennen und wirksam zu managen.

Das Synergieproblem: Wenn 2 + 2 = 7 ergibt

Selbst wenn einzelne Kontaminanten unterhalb anerkannter Risikoschwellen liegen, können ihre kombinierten Effekte die negativen Auswirkungen deutlich verstärken.

Bei laktierenden Kühen kann eine TMR, die verschiedene Mykotoxine in niedrigen Konzentrationen enthält, die Milchleistung spürbar verringern und die Trockenmasseaufnahme reduzieren – oft stärker, als wenn die gleichen Toxine einzeln auftreten würden.

Gleichzeitig kann das Zusammenspiel von Mykotoxinen und Verderbniserregern wie Hefen und Schimmelpilzen die Pansenfermentation beeinträchtigen, die Faserverdaulichkeit verringern und die natürliche Entgiftungskapazität des Pansens schwächen.

Mykotoxine wirken sich zudem nicht nur auf die Verdauung aus. Sie können die Barrierefunktion des Darms stören und die Immunabwehr schwächen. Dadurch entstehen günstigere Bedingungen für die Vermehrung und Ausbreitung schädlicher Bakterien.

Nicht die Höhe der Belastung ist entscheidend – sondern ihr Zusammenspiel

Es sind nicht nur einzelne Kontaminanten, die Probleme verursachen. Oft sind es die Wechselwirkungen verschiedener Risiken, die den entscheidenden Unterschied machen. Mehrere scheinbar kleine Belastungen können zusammen erhebliche Auswirkungen auf Tiergesundheit, Leistung und letztlich die Wirtschaftlichkeit des Betriebs haben.

Eine ganzheitliche TMR360-Hygienestrategie umfasst:

Bewertung der Rohstoffrisiken

  • Silagen, Getreide und Nebenprodukte hinsichtlich sichtbarer Mängel, mikrobieller Belastung, Trockenmassegehalt und bisheriger Verderbniserscheinungen bewerten.
  • Anbau-, Ernte- und Lagerbedingungen berücksichtigen, einschließlich witterungsbedingter Belastungen, Kontaminationsrisiken auf dem Feld, Silodichte, Verdichtungsqualität und Sauerstoffeintrag während der Lagerung. All diese Faktoren können das Risiko einer Mykotoxinbelastung und das Wachstum von Mikroorganismen beeinflussen.

Kontrolle der Fermentationsqualität

  • Die Qualität des Silierprozesses kann durch eine schnelle Herstellung anaerober Bedingungen, die richtige Häcksellänge, ausreichende Verdichtung sowie den Einsatz geeigneter Siliermittel verbessert werden, um eine von Milchsäure dominierte Fermentation zu fördern.
  • Den pH-Wert der Silage überwachen und auf Stabilität sowie Hygiene achten. Ein schneller pH-Abfall und eine möglichst geringe aerobe Aktivität im Silostock reduzieren das Risiko der Vermehrung von Hefen und Schimmelpilzen sowie einer nachfolgenden Toxinbildung.

Management während der Futterentnahme

  • Den Sauerstoffeintrag an der Silageanschnittfläche sowie beim Mischen einer TMR für Milchkühe minimieren. Dies gelingt durch saubere und feste Anschnittflächen, die Entnahme nur der benötigten Mengen sowie das Vermeiden unnötiger Störungen des Silostocks.
  • Eine Erwärmung der TMR, Futterselektion und sekundären Futterverderb vermeiden. Dazu gehören eine angemessene Vorschubgeschwindigkeit, das konsequente Aussortieren sichtbar verdorbener Futterschichten, die Einhaltung einer guten Mischwagenhygiene sowie die Vorlage von Milchviehrationen mit stabiler Feuchtigkeit und Temperatur.

Kontinuierliches Monitoring

  • Futteraufnahme der Herde, Milchleistungsparameter und Gesundheitsindikatoren regelmäßig überwachen. So lassen sich Veränderungen der Futterqualität, Tierleistung, Gesundheit und Fruchtbarkeit frühzeitig erkennen und mögliche Probleme mit der Futterhygiene schneller ausschließen oder identifizieren.
  • Regelmäßige Kontrollen der TMR sind unerlässlich, um wichtige Kennzahlen zur Futtersicherheit zu überwachen, darunter Temperatur, Mykotoxingehalte und mikrobielle Belastungen in der Milchvieh-TMR.

Warum das wichtig ist

TMR360 unterstützt dabei, das Futtermanagement von einem reaktiven zu einem proaktiven Ansatz weiterzuentwickeln - für sicherere Rationen, gesündere Kühe und eine nachhaltigere Milchproduktion.

TMR360 ist ein verlässlicher Analyseservice und vereint:

  • Expertise in den Bereichen Mykotoxine und mikrobielle Kontamination

     

  • Ernährungsphysiologische Interpretation und fundierte Einblicke


  • Individuelle, praxisnahe Beratung mit Fokus auf Integrität und Vertrauen

Internationale Präsenz von Trouw Nutrition

Trouw Nutrition verfügt über ein globales Netzwerk akkreditierter Labore und unterstützt Futtermittel- und Nutztierproduzenten dabei, auf ihre individuellen Betriebsbedingungen abgestimmte Probenahme- und Analyseprogramme zu entwickeln. Jährlich verarbeitet das Unternehmen rund 50.000 Proben und führt mehr als 200.000 Analysen durch – unterstützt von einem Team aus 61 Spezialisten.

Über das digitale Portal des TMR360-Konzepts können Betriebe ihre Ergebnisse einfach abrufen, auswerten und interpretieren. Mit der Unterstützung lokaler Experten lassen sich gezielte Maßnahmen ergreifen, um die Futterqualität zu verbessern, Tiergesundheit und Leistung zu sichern sowie die Rentabilität des Betriebs nachhaltig zu stärken.

Dank seiner starken internationalen Ausrichtung stammen mehr als 60 % der eingereichten Proben aus internationalen Märkten außerhalb der jeweiligen Heimatländer. Der Service unterstützt über 20 % der Nutreco-Kunden und leistet einen wichtigen Beitrag zum Gesamtportfolio des Unternehmens. Ein kleiner Anteil von etwa 2 % entfällt auf externe Kunden außerhalb der Nutreco-Gruppe.

 

img style=